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  • Robert Runge

In unserem Hause treffen sich Legenden!

Aktualisiert: März 22

Teil II

Das Borsalino Sturmband mit dem Knopf


Ich will unsere sehr verehrten Hut-Maniacs nicht mit einer 08/15 Story über BORSALINO langweilen. Sollte sich unter der geschätzten Leserschaft doch jemand befinden, dem Borsalino wirklich nichts sagt, dann bitte ich darum dem Link im Titel zu folgen. Die Hut Freunde und Insider werden sich nun fragen, „nun, was will er uns dann berichten?“

Hier sei ganz anfangs darauf hingewiesen dass Mauerer Hüte eine besondere Beziehung zu Borsalino haben, der Ikone unter den Hutmarken! Anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Firma Borsalino im Jahre 1957, wurden wir zur ersten registrierten Borsalino Verkaufsstelle in Österreich ernannt. Wir waren damals nur auf Herrenhüte spezialisiert und hatten neben der damaligen Eigenproduktion sehr viel Wert auf Borsalino Hüte gelegt! Dies schlug sich natürlich in Aufträgen und vor allem Verkaufszahlen nieder.

Die beginnenden 60er Jahre waren eigentlich eine Zeit in der die Hutmode etwas zu leiden begann. Borsalino aber setzte auf Exklusivität und positionierte den Borsalino Hut in Kultfilmen. Auf Casablance müssen wir gar nicht extra eingehen, interessant war sicherlich „Außer Atem“ À bout de souffle mit Jean Paul Belmondo und Jean Seberg. Belmondo trug den Borsalino Hut wie Bogey, den er ja den ganzen Film über imitierte!

1970 wurde dann der erste Borsalino Film herausgebracht mit Jean Paul Belmondo und Alain Delon. Das war für Borsalino ein wesentliches Jahr in der gesamten Geschichte des Unternehmens. Aus heutiger Sicht ist die Story etwas seicht, die Protagonisten jedoch waren immer erstklassig und geschmackvoll gekleidet und vor allem BEHÜTET. Dieses Jahr machte BORSALINO und seine Hüte endgültig zur Legende. Der Erfolg Borsalinos war aber nicht nur durch Produktplatzierungen in diversen

Kinofilmen erzielt worden, vielmehr verfügte ein BORSALINO Hut immer über Attribute, die diesen Hut von anderen abhoben. Von der unglaublichen Leichtigkeit des Hutes selbst, der sich trotz des weichen Haarfilzes immer kernig angriff, gab es da noch andere Dinge:

Da war zum Beispiel das BORSALINO Sturmband, welches in Alessandria erfunden wurde. Hinter der Masche des Umbinds war eine zarte Kordel befestigt, die wie ein Lasso über die Bandstelle des Hutes gelegt war, und dort festgezogen durch bloße Reibung rastete. Bei aufkommendem Wind konnte man nun dieses herunternehmen und an einem Mantelknopf einhängen. Wenn dieser fest genug angenäht war, würde der Borsalino zwar vom Haupt des Trägers geweht werden, konnte dann aber nicht weiterfliegen. Anfangs war dieses Sturmband weil dezent, kaum erkennbar, da die verwendete Kordel sehr zart war. In den siebziger Jahren wurde diesem Hut Lasso noch ein 5mm kleiner mit Ripsband überzogener Knopf hinzugefügt, der bald zu einem weiteren Markenzeichen wurde. Jetzt war das Sturmband auffälliger und machte auf seine Funktion aufmerksam und den Borsalino Hut unverwechselbar.


Uns ist da eine kleine Episode erinnerlich, die sich während einer Bestellung aus der Borsalino Herbst Winter Kollektion in den frühen 70er Jahren zutrug. Der österreichische Vertreter war damals Herr Bolaffio.


Er war hauptberuflich eigentlich der Eigentümer der Firma Piccini. Piccini am Naschmarkt war so ziemlich das einzige Delikatessengeschäft in Wien, welches nur italienische Spezialitäten anbot. Ein angenehmer Nebeneffekt war damals, dass wir zu Weihnachten von Herrn Bolaffio immer ein paar italienische "Schmankerln" als Anerkennung unserer Aufträge bekamen. Herr Bolaffio war eine überaus freundliche aber sehr zurückhaltende Persönlichkeit. Von italienischen Delikatessen verstand er sehr viel, von der Hutbranche selbst aber eher nur das Notwendigste. Er machte das nebenbei und hatte sich mit den Hüten nicht so sehr eingelassen. Selbst seinen Borsalino trug er etwas seltsam. Unser Vater, der den Auftrag erteilte, war ein kreativer Geist und hatte vor allem bei den Hüten zum Leidwesen so mancher Hersteller sehr oft eigene Ideen. Diesmal traf es Herrn Bolaffio.

Unser Vater schlug vor den Knopf des Ripsbandes, welcher bislang farblich ton sur ton mit dem Umbind gehalten wurde, mit einer ganz anderen Farbe zu überziehen. Herr Bolaffio war über dieses Ansinnen sehr erstaunt. Wahrscheinlich dachte er an die Leute in Alessandria, die mit solchen „Extrawürschteln“ nie eine Freude hatten, umso mehr als die nach den Erfolgen des Borsalino Films ein wenig am hohen Ross saßen. Von einem Fuß auf den anderen tänzelnd fragte er unseren Vater, an welche Farbe er denn gedacht hätte – es waren gerade einige Schattierungen in Grau mit schwarzem Umbind zu bestellen.


„ROT, KNALLROT“ sagte unser Vater gelassen. „Nein das geht gar nicht, wie sieht denn das aus, das machen die sicher nicht!“ antwortete Bolaffio schon etwas entnervt. Es wurde dann noch einige Zeit hin und her diskutiert, unsere Vater gab‘s dann auf und sagte bei der Verabschiedung zu Herrn Bolaffio: „Schreiben’s das halt auf, vielleicht haben die da unten einen guten Tag!“ Der Herbst zog ins Land und Borsalino liefert traditionell etwas verspätet aber doch mit einer sensationellen Überraschung. In Alessandria hatte man die Idee unseres Vaters aufgegriffen und siehe da, die grauen Hüte hatten den roten Knopf! Nicht nur das, bei den anderen Farben hatte man für den Knopf die Farbe des Filzes gewählt und so einen sehr schönen Kontrast zum Hutband hergestellt. Borsalino war um eine Besonderheit reicher!

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