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  • Robert Runge

The Panama Story



Die Geschichte spielt in Wien. Trotzdem nennen wir sie „Panama Story“, das klingt eben besser, und überhaupt, es ist eine schiefe Geschichte und „schief ist englisch“, wie man in Wien zu sagen pflegte, weil englisch war und ist modern!


Die Sonne eines bereits etwas schwülen Montagmorgen im Mai auf der Wiener Mariahilfer Straße machte Oberstleutnant Joachim Paszkowskij sehr zu schaffen. Er hatte seinen erst vor kurzem bei Mauerer Hüte


gekauften Fedora Panama Ventilo einfach zu Hause vergessen! Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die Straßenseite zu wechseln. Das war zwar kurzfristig angenehm, doch dann kam plötzlich ein kühles Lüfterl auf. Paszkowskij hatte nicht nur seinen Stetson Panama zu Hause vergessen sondern auch schon auf der Polizeischule einen Großteil seines Haupthaares abgegeben. Die Woche fing ja gut an, umso mehr als Paszkowskij schon seit 14 Tagen in einem mysteriösen Mordfall ermitteln musste. Er kam da einfach nicht weiter. Gerade war er auf dem Wege zu einer vermeintlichen Zeugin. Diese hatte angeblich einen Mann mit Hut während einer eiskalten Februarnacht aus dem Haus des Tatorts in größter Hektik davonrennen gesehen. Wär ja nicht ungewöhnlich, wenn die Zeugin nicht schon am Telefon erwähnt hätte, dass es sich um einen Strohhut gehandelt haben muss. Um einen weißen leuchtenden Strohhut, wie sie steif und fest behauptete! Vielleicht um einen


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„Ja gnä Frau, woher wolln’s denn wissen, dass des a Strohhut war!“ raunzte sie Paszkowskij an, dem das viel zu tief ausgeschnittene Dekolté der Hausmeisterin des Hauses Hamerlingstraße 14 angenehm ins Auge fiel, die Zeugin aber für eine Wichtigtuerin hielt. Bei diesem Fall passt einfach nix zusammen. Eine viel zu gepflegte Hausbesorgerin mit sensationellen Brüsten, die sich bei Hüten auskennt.


„Na schaun’s Herr Inspekta, mein Vater war Hutmacher, i kenn mi aus!“ Der Lauermann – das Mordopfer – war a Hutträger, der hat jeden Tag an andern aufghabt. De zwa jungen Mauerer vom Huatgschäft obn, ham an Servas owegrissen, jedes Mal waun’s eam gsehn ham!“

Paszkowskij konnte der spekulativen Denkweise Frau Pospisils folgen. Der Mörder wird inflagranti mit der Frau des Opfers erwischt, tötet den Ehemann und flieht mit einem weißen Hut weil‘s so kalt ist. Und weil’s schnell gehen muss, nimmt er den Erstbesten. „Aber Strohhüt sind meist nicht strahlend weiß!“, entgegnet Paszkowskij.

„Nau des wor halt a Panama Herr Inspekta, glauben’s der Lauermann kauft an billigen Strohhut beim FundA“, der Lauermann wor ein Sör – Gott hab ihn selig! An super Panama vom Mauerer hat der immer aufghabt!

Im Summer halt!“

Nachdem sich Paszkowskij von den pospischilsen Brüsten losgerissen hatte, nahm sein kriminalistisch geschultes Auge endlich das Interieur der Hausbesorgerwohnung unter die Lupe. Auch hier alles vom Feinsten. Nichts gegen den ehrenhaften Berufsstand der Hausmeister, aber man ist von einem wunderbaren Ambiente umgeben. Klug gestellte Stilmöbel gepaart mit geschmackvollen Vorhängen und Teppichen passen gut zur wohltuenden Erscheinung Frau Pospischils, die Paszkowskij immer wohltuender findet. Frau Pospischil lädt zu einem Kaffee: „Ja Hea Inspekta a Pause muss sein – Sie schaun eh a bissl erschöpft aus, obwohl Sie für an Krimineser ja sehr gut gekleidet san!“

An Paszkowskij prallen derartige Anmaßungen ab, wie der Mairegen von seinem neuen Ava Cotton von STETSON



denkt er sich, als er im Wohnzimmer Frau Pospischils alleingelassen, über den Fall nachdenkt. Die Pospischil ist, wie er durch Nachfrage erfährt alleinstehend. Da ist doch viel Luxus anzutreffen. Beispielsweise war er am vorigen Samstag bei Mauerer und hat seiner Frau einen wunderschönen eleganten Damen Panama Hut gekauft. Den Redondo von Vintimilla. Justament der hängt hier in der vom Wohnzimmer aus einsehbaren Garderobe.

Frau Pospischil kommt mit echtem Augarten Kaffeeservice aus der Küche und beugt sich zu Paszkowskij tief genug hinunter um ihn erstens, Beruf und Ehefrau vergessen zu lassen und zweitens, ihm die Tasse Kaffee zu reichen! Doch ein Wiener Kriminalbeamter ist nicht so leicht zu beeindrucken. Paszkowskij wird misstrauisch:


„Sag’n Sie Frau Pospischil, wieso sollt denn der Mann mit dem Panama den Lauermann erstochen haben, wenn die Frau Lauermann, mit der er angeblich ein Gschpusi ghabt hätt‘ in der Mordnacht gar net zuhaus war?“

Frau Pospischil erkannte, dass dieser Umstand ihre Theorie ins schwanken geraten ließ und sie errötete sogleich. Dies machte Paszkowskij noch stutziger! Paszkowskij genießt den wunderbaren Mokka und beginnt den Rückzug, nicht ohne von Frau Pospischil mit einem mehr oder weniger absichtlichen Busenstreifer beschenkt zu werden!

In der Garderobe fällt ihm ein weiterer aussergewöhnlicher Panamahut auf, den er letzten Samstag ebenfalls bei Mauerer gesehen hatte. Den Player Panama 2ton von STETSON



Woher hat die Frau nur so viel Geld?


Zurück im Kommissariat sieht er sich nochmals die Aufzeichnungen durch. In der Wohnung Lauermanns war kaum Blut, obwohl seine Leiche sieben klaffende Stichwunden aufwies. Warum ist die Pospischil gar so überfreundlich zu mir und will mir einen huttragenden Mörder einreden?


Nach genauerem Studium der kriminaltechnischen Auswertungen, kommt Oberleutnant Paszkowskij zu dem Schluss, dass Herr Lauermann nicht in seiner Wohnung erstochen wurde. Die in der Mordnacht nicht anwesende Ehefrau äußert den Verdacht, Ihr Ehemann hätte eine außereheliche Beziehung gehabt, die ihn viel Geld gekostet hätte. Da macht es bei Paszkowskij klick – die Pospischil war die Geliebte des Lauermann, wollte mehr Geld und versuchte ihn zu erpressen. Dieser lehnt ab und wird nach einem versöhnlichen Liebesakt im Schlaf von seiner Geliebten erstochen. Sie transportiert die zarte Leiche des Herrn Lauermann in seine Wohnung und erfindet den Hutmörder! Paszkowskij zitiert Frau Pospischil aufs Kommissariat und wirft ihr seinen Verdacht an den Kopf.

Die diesmal hochgeschlossene Pospischil bricht unter dem Verhördruck

Paszkowskijs zusammen und gesteht alles. In der luxuriösen

Hausmeisterwohnung werden Blutspuren und sogar die

Tatwaffe gefunden.

Frau Pospischil hatte sich sogar vorsorglich einen schwarzen Trauerhut für das Begräbnis ihres Liebhabers besorgt! Den Nomad Hat in schwarz !





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